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Christentum

Das Christentum stellt die weltweit größte Religion dar. Die Geschichte des Christentums ist ziemlich alt, kann aber in der Form frühestens nach Christi Geburt entstanden sein, da sich die Anhänger des Christentums auf Jesus Christus beziehen.

Das Christentum kann durch einige Besonderheiten gut beschrieben werden. Es handelt sich um eine so genannte gestiftete Religion, da es einen Religionsstifter gibt (Jesus Christus). Es handelt sich um eine monotheistische Religion, da sie nur einen Gott kennt. Das Christentum kennt feste Riten oder besser gesagt Sakramente, die ein Gläubiger erhalten muss. Das wichtigste Sakrament dürfte dabei die Taufe sein. Das Christentum ist bekanntermaßen auch eine Religion, die immer sehr stark missionierte und letztlich deshalb so stark verbreitet ist.

Jesus Christus - die zentrale Figur des Christentums

Zentrale Figur des Christentums ist ohne Zweifel ihr Stifter, Jesus von Nazareth. Es stellt den Messias dar. Im übertragenen Sinn ist Jesus der Mensch gewordene Sohn Gottes und letztlich ist es der Mensch gewordene Gott. Gott hat sich, so das Christentum, als Jesus auf die Erde begeben um sich der mittlerweile sehr sündigen Menschheit direkt zuzuwenden. Der Tod Jesu und damit der Tod Gottes sollte eine Erlösung für die Menschheit sein. Damit sollen, so das Christentum, Schuld und Sühne der Menschheit praktisch aufgehoben worden sein. Der Tod bzw. die Auferstehung des Jesus spielen eine sehr zentrale Rolle für fast das gesamte Christentum. Was heute als Ostern bzw. Auferstehungsfest gefeiert wird, ist eigentlich die Grundsteinlegung für die moderne Kirche. Somit könnte man sagen, dass nicht etwa Weihnachten der wichtigste christliche Feiertag ist, sondern Ostern.

Insgesamt kann man das Christentum als eine relativ dogmatische Religion bezeichnen. Ihre Lehren sollen, so das Christentum, für alle Menschen Gültigkeit haben. Nach dem Verständnis der Christen ist das Christentum die einzig wahre Religion. Andere Religionen wurden im Verlauf der Geschichte abgelehnt. Erst spät folgte eine Annäherung und sogar eine gewisse Akzeptanz anderer Religionen, wobei das Christentum letztlich immer als die geklärteste aller Religionen betrachtet wird. Im Christentum wird die gesamte Christenheit auch kurz als die Kirche bezeichnet. Auch dies stellt einen gewissen Alleinstellungsanspruch des Christentums heraus. Die Kirche stellt den Leib Christi dar, jeder Angehörige ist ein Teil davon. Er wird es praktisch durch die Taufe.

Christliche Strömungen

Allerdings gibt es innerhalb des Christentums durchaus unterschiedliche Strömungen. Diese besitzen Grundlehren, die gegenseitig meist mehr oder weniger anerkannt werden. In Teilen unterscheiden sich die Lehren jedoch voneinander. Die verschiedenen Gruppierungen des Christentums bildeten sich durch unterschiedliche Vorgänge heraus. Oft lag es einfach an geographischen Gegebenheiten, manchmal lag es aber auch an macht- oder kirchenpolitischen Aspekten.

Heute spricht man unterhalb des Christentums von verschiedenen Konfessionen (siehe Christliche Konfessionen). Was man ganz grob unterscheiden kann, ist eine westliche und eine östliche Tradition des Christentums. Dies dürfte vor allem mit der ursprünglichen Aufteilung des Christentums in fünf Patriarchate zusammenhängen. Das waren Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem.

Dabei stellt Rom die westliche Tradition dar. Die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem und später dazugekommene stellen grob gesagt die östliche Tradition dar. Sie wird heute in starkem Maß durch die Russisch-Orthodoxe Kirche symbolisiert, die eine der größten der östlichen Tradition ist.

Zwischen beiden Richtungen gibt es durchaus wahrnehmbare Unterschiede. Östliche Kirche weisen den Ikonen einen hohen Stellenwert zu. Ikonen sind in der westlichen Kirche eher unbekannt und spielen keine große Rolle. Spiritualität ist der östlichen Kirche im Gegensatz zur westlichen Kirche nicht fremd. Insgesamt gibt es unterschiedliche Auffassungen was die so genannte Dreieinigkeit anbelangt. Auch die so genannte Erlösertat des Jesus wird von der orthodoxen Kirche anders interpretiert als von der westlichen Kirche. Die Orthodoxe Kirche kennt auch keinen Papst. Interessanterweise sind aber die so genannten sieben heiligen Sakramente gleich - nur werden sie unterschiedlich durchgeführt.

In der westlichen Tradition bzw. speziell in der katholischen Kirche spielt der Papst eine ungemein große Rolle. Er wird als Nachfolger des Apostel Petrus bezeichnet und wird gemeinhin als der Stellvertreter Jesus auf Erden angesehen. Der Papst ist praktisch die höchste irdische Autorität der katholischen Kirche. Seit dem 1. Vatikanischen Konzil ist der Papst bezüglich seiner Aussagen zum Glauben als unfehlbar zu betrachten.

Die größte Gemeinschaft innerhalb des Christentums ist die Römisch Katholische Kirche, der weltweit fast die Hälfte aller Christen angehört. Die Römisch-Katholische Kirche nimmt für sich wiederum innerhalb des Christentums eine gewisse Alleinstellung in Anspruch, da sie sich als Verwalterin aller Sakramente sieht. Damit wird, so die Römisch-Katholische Kirche, in ihr Christus verwirklicht. Die Stellung des Papstes als alleiniger Vertreter Christus verdeutlicht diesen Anspruch.

Eine in Deutschland und einigen angrenzenden Ländern wichtige christliche Gemeinschaft sind die evangelischen Kirchen. Sie beziehen ihre Wurzeln alleine auf die Bibel und nicht auf irgendwelche Überlieferungen. Die evangelische Kirche spaltete sich praktisch unter Luther von der katholischen Richtung ab. Luther verfasste seine berühmten Thesen bzw. die zwei Katechismen, die heute die Grundlage der evangelischen Kirche bilden. Ein signifikanter Unterschied zur katholischen Kirche ist das Fehlen einiger Sakramente. Die evangelische Kirche kennt nur zwei: die Taufe und das Abendmahl. Der Beichte wird nicht der Stellenwert der katholischen Tradition zugewiesen. Man kann, muss aber nicht beichten. Der Stellenwert von Jesus ist in der evangelischen Kirche irgendwie noch ausgeprägter, als in der katholischen Kirche. Allein die Person Christus zählt hier. Nur die Bibel als solche ist Richtschnur des Glaubens. Der Glaube an sich rechtfertigt vor Gott und die Gnade Gottes bringt einem die Erlösung.

Abseits der historisch gewachsenen westlichen und östlichen Tradition gibt es einige wichtige Konfessionen, die sich auch auf Jesus Christus beziehen. Bekannte Beispiele: Mormonen, Quäker oder zum Beispiel die Zeugen Jehovas. Die Auslegungen dieser Gemeinschaften unterscheiden sich oft sehr deutlich von den klassischen christlichen Traditionen.

Das Christentum wächst weltweit weiter relativ stark an. Vor allem in den Erdteilen, die historisch nicht unbedingt zu den christlichen Stammländern zählen, wächst die Zahl neuer Mitglieder. Dafür geht die Zahl in den historisch wichtigen Ländern eher zurück, vor allem ist dies in Europa feststellbar. Zu einer gewissen Schwächung des Christentum hat, so mutmaßt man heute, insbesondere die Aufklärung beigetragen. Mit ihr kam es zur Säkularisierung, wobei Kirche und Staat getrennt wurde. Damit wurde es zum Beispiel überhaupt möglich, aus einer Kirche auszutreten. Dieses Wahlrecht wird heute von vielen Menschen wahrgenommen.

Inhalte der christlichen Lehre

Das zentralste aller Elemente des Christentums ist in der Regel Tod und Auferstehung des Jesus. Jesus gilt als der Mensch gewordene Gott. Der Mensch gewordene Gott nahm die Schuld der Menschen auf sich und büßte sie mit dem Tod. Er erlöste damit die Menschheit. Die Tat sollte die Menschen mit Gott versöhnen. Sie steht auch für die wichtigen christlichen Eckpunkte Nächstenliebe sowie letztlich für die Liebe zu Gott.

Die christliche Lehre wurde im Prinzip durch die Taten und Worte Jesu sowie die Aufzeichnungen seiner Jünger überliefert. Daraus resultiert letztlich das zentrale Glaubenswerk der Christen - die Bibel. In ihr sind auch die ethischen Prinzipien formuliert, nach der ein Christ leben sollte. Christ ist im Prinzip der, der durch Taufe zur Gemeinschaft gehört. Er soll sich an die ethischen Prinzipien halten. Darüber hinaus wird von verschiedenen Richtungen noch unterschiedliches erwartet. Dazu gehört oftmals die aktive Arbeit am Glauben, die aber heute von vielen Christen eher vermieden wird.

Viele der heute gültigen Normen des Christentums stammen eigentlich aus dem Judentum. Man geht heute davon aus, dass die ersten Christen Juden waren, die sich zu Jesus bekannten. Deshalb war es überhaupt möglich, dass Schriften des Alten Testaments Eingang ins Christentum fanden - denn die entstanden schon vor Christus Geburt und gehen eindeutig auf jüdische Traditionen zurück. Eine zentrale Rolle spielen hier die Bücher Mose. In der Schöpfungsgeschichte der Genesis ist die Rede von einem zentralen Gott, der die Welt erschaffen hat. Im Unterschied zum Judentum wurde aber im Christentum aus Gott eine Dreifaltige Gestallt. Die heilige Trinität wird dabei durch den Vater, den Sohn und den heiligen Geist symbolisiert. Sie bilden insgesamt die Einheit, die wiederum Gott darstellt.

Die wesentlichen Lehren des Christentums sind in der Bibel niedergeschrieben. Die Bibel gliedert sich traditionell in zwei wesentliche Teile - das alte und das neue Testament. Dabei geht das alte Testament eindeutig auf jüdische Wurzeln zurück und entspricht im Prinzip der Tanach. Das Neue Testament entstand erst nach Christus' Geburt. Es erzählt von dessen Leben und enthält Berichte der Aposteln sowie Geschichten zur frühen Kirche aus nachchristlicher Sicht.

Wie bei allen historischen Werken gibt es keinen Konsens über die Auslegung biblischer Texte. Vor allem die Übersetzung wird und muss im Prinzip als stellenweise ungenau betrachtet werden. Hier gibt es einige unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. Über die Auslegung bestimmter Textstellen muss und wird immer wieder heftig diskutiert. Eines der bekanntesten Beispiele ist sicherlich das Bibelzitat "Auge um Auge, Zahn um Zahn", das fälschlicherweise gerne als Rechtfertigung für Gewalt gedeutet wird

Die wichtigsten Inhalte der christlichen Lehre, die wohl von den meisten Konfessionen gleich oder ähnlich interpretiert werden, sind:

  • Es existiert nur ein einziger Gott
  • Jesus Christus ist der Sohn Gottes und Messias der jüdischen Vorhersage.
  • Gläubige werden mit Wasser getauft
  • Der Mensch ist ein Sünder und so von Gott getrennt. Die Gemeinschaft zu Gott kann nur über den Glauben an Jesus erfolgen.
  • Die Bibel ist das Wort Gottes

Unterschiede gibt es zum Beispiel in der Marienverehrung. Sie spielt vor allem in der Katholischen und orthodoxen Kirche eine stellenweise sehr große Rolle, da sie ja nichts anderes als die Mutter Gottes darstellt. Dies wird von anderen Konfessionen aber deutlich anders interpretiert.

Die Rolle des Christentums ist sicherlich ziemlich überragend. Das Christentum gilt als wichtiger Einfluss für viele andere nichtchristliche Religionen. Die Grundethik des Christentums ist durchaus vorbildlich. In Namen des Christentums wurde vorbildliches in vielen verschiedenen Bereichen geleistet. Wer die christliche Ethik verstanden hat und diese auch gut umsetzt, dem kann man eigentlich nichts negatives vorwerfen.

Allerdings wird die praktische Umsetzung der christlichen Ethik häufig auch als das größte Problem angesehen. Denn bei der richtigen Umsetzung hapert es durchaus. Als Schlagworte können hier Religionskriege, christliche Kreuzzüge, Hexenverfolgungen oder Antijudaismus dienen. Auch viele Positionen und Aussagen zu aktuellen Themen werden als eher negativ bewertet. Dabei geht es nicht einmal um die Thematik selbst, sondern um die Art und Weise der Argumentation (siehe Empfängnisverhütung oder Abtreibung). Eine gewisse Problematik stellt oft die sehr dogmatische Auslegung des christlichen Glaubens dar. Der christliche Glauben stellt gemäß Christentum die alleinige Wahrheit für alle (nicht nur für Angehörige des Glaubens) dar. Auch die Ausbreitung der christlichen Religion im Rahmen der Mission muss stellenweise als problematisch betrachtet werden, weil das Christentum oft ohne Rücksicht auf Verluste verbreitet wurde. Andere schon bestehende indigene Überzeugungen wurden dabei gerne übergangen und zerstört.

 


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