YinYang-Die Säulen der Esoterik
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(O.T.O)


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Ordo Templi Orientis (O.T.O) - ein okkulter Geheimbund

Der Ordo Templi Orientis (kurz O.T.O, auch orientalischer Templerorden), wird als okkulter Geheimbund bezeichnet. Entstanden ist er anfangs des 20. Jahrhunderts. Er besteht nach wie vor, heute als so genannter Caliphat O.T.O. In den USA ist der O.T.O als religiöse Gemeinschaft (keine Religion) anerkannt, in Deutschland besteht er als gemeinnütziger Verein

Kurzer geschichtlicher Überblick

Der O.T.O sieht seine traditionellen Wurzeln spirituell in der Gründung des Templerordens um 1108 und den Rosenkreuzerorden des 18. Jahrhunderts. Seit 1895 gab es dann Bestrebungen zur konkreten Gründung des Ordens, im Jahr 1902 erschien zum ersten Mal die eigene Zeitschrift Oriflamme. 1903 wurde ein Manifest ausgearbeitet, das 1906 zur Verfassung des Ordens führte und zu dem Manifest von 1916. In der einschlägigen Literatur wird meistens das Jahr 1903 als Gründungsjahr genannt.

Historie und Namen

Als geistiger Vater des Ordens wird Carl Kellner bezeichnet. Kellner war verwurzelt im Rosenkreuzertum und der Freimaurerei. Auf seinen vielen Reisen soll er Kontakt mit der östlichen Mystik, drei Adepten sowie der hermetischen Bruderschaft des Lichts bekommen haben. Zusammen mit dem Theosophen Franz Hartmann war sein Ziel die Gründung der Academia Masonica. In ihr sollten alle Freimaurer mit allen bestehenden Graden und Systemen der Freimaurerei vertraut gemacht werden.

Ob es schon mit Hartmann zusammen zur Gründung des O.T.O kam, ist nicht genau ersichtlich. Vielmehr scheint die Zusammenarbeit zwischen Kellner und Theodor Reuss um 1903 zu dem Manifest geführt haben, dass als Grundstock des O.T.O betrachtet wird. Theodor Reuss war Oberhaupt des bayerischen Illuminatenordens, Großmeister des Swedenborg-Ritus, Sonderinspekteur des Martinistenordens Deutschland und Magus des hohen Rates der Societas Rosicruciana Deutschland. Reuss und Kellner erwarben verschiedene Systeme der Hochgrad-Freimaurerei. Bald hatte man genug Hochgrade zur Verfügung, um ein unabhängiges freimaurerisches System zu erstellen (das sowohl Frauen als auch Männern zugänglich war). Als Kellner 1905 verstarb, übernahm Reuss die Leitung des Ordens. Zusammen mit Hartmann und Heinrich Klein verfasste er die eingangs genannte Konstitution des Ordens von 1906. Von 1906 bis 1914 spielte, nebenbei erwähnt, der umtriebige Rudolf Steiner als stellvertretender Großmeister des Mystica Aeterna eine Rolle im O.T.O

1908 kam Reuss in Frankreich mit der gnostischen katholischen Kirche in Kontakt und wurde deren Bischof und Primat. Nicht unwichtig, denn heute ist die gnostisch-katholische Kirche (E.G.C) eine Schwesterorganisation des O.T.O. Historisch bedeutsam ist die Verleihung von drei O.T.O-Graden durch Reuss an Aleister Crowley im Jahr 1910. 1912 erteilte man Crowley eine Charter, woraus der englische Grad Mysteria Mystica Maxima (M.M.M) entstand.

Crowley spielte eine wesentliche Rolle im O.T.O, seine Arbeit wirkt heute noch wesentlich nach. Er war mit den aufwändigen Riten nicht einverstanden. Auch sah er die Einweihung von Frauen in freimaurerische Riten als problematisch an, auf der anderen Seite sah er es als möglich an, Frauen in O.T.O-Riten einzuweihen. Um 1915 hatte Crowley die Rituale in seinem Sinn bearbeitet. Sie sollten für Mann und Frau zugänglich sein, die Privilegien der United Grand Lodge England (Freimaurer) achten, seine Thelema-Lehre beinhalten und die Bedeutung der Johannis- und Hochgrad Freimaurerei vermitteln. 1917 veröffentlichte Reuss auf Basis seiner 1906er Konstitution eine Neu-Fassung. Diese beinhaltete viel von Crowleys Arbeit und betonte den freimaurerischen Grundtenor des O.T.O. Zu dieser Zeit wurden zwei O.T.O-Zentren benannt: New York (wo Crowley lebte) und Ascona (wo Reuss wirkte). Um diese Zeit schienen sich aber die Wege von Crowley und Reuss zu trennen. Obwohl Reuss die Arbeit Crowleys sehr schätzte, hatten sie verschiedene Ansichten, was die maurerischen Wurzeln des O.T.O betrifft.

Nachdem Reuss 1921 immer mehr unter gesundheitlichen Problemen litt, ernannte sich Crowley (angeblich nach Absprache mit Reuss) zum Frater Superior. 1923 verstarb Reuss, Crowley blieb OHO (Outer Head) des O.T.O bis zu seinem Tod im Jahr 1947. Sein Nachfolger wurde Karl Germer (bis 1962), parallel hatte Crowley den Grad des Caliphen an Grady McMurty vergeben. Nach Germers Tod war die Nachfolge offen, der Orden war auch zahlenmäßig schwach. Um 1969 aktivierte Grady McMurty sein Caliphat des O.T.O, das ihm Crowley zusprach. Er versuchte, die verbliebenen Mitglieder um sich zu scharen. 1970 wurde der O.T.O in Kalifornien als Verein eingetragen. In der Folge wurden neue Mitglieder initiiert, seit 1979 ist der O.T.O eine Gesellschaft nach kalifornischem Recht, seit 1982 gar eine religiöse Gemeinschaft. Um die wahre O.T.O-Nachfolgeorganisation gab es einige Rechtsstreitigkeiten. Der Anspruch wurde letztlich dem O.T.O unter McMurty zugesprochen. Im Jahr 2005 war Frater Hymenäneus Beta als Caliph des O.T.O eingesetzt. Es soll weltweit ca. 3.000 Mitglieder des O.T.O geben, in Deutschland ca. 100 mit einer Loge in Berlin und Oasen in Hamburg und Stuttgart. Ableger des Ordens sind z. B. der Typhonian OTO, der OTO Antiqua, die Society OTO und die Abtei Thelema.

Wesen und Ziele des O.T.O

Ziel des Ordens ist letztlich, dass der Mensch durch esoterische Rituale vollkommen wird. Wille und Liebe sollen eine Einheit bilden. Die Rituale des O.T.O sind geschichtlich stark von der Freimaurerei geprägt, haben aber viele andere Einflüsse (Rosenkreuzertum, Templer, Golden Dawn..). Sie sind, nicht zuletzt durch Crowleys Einfluss, sehr kraftvoll und oft sehr dramaturgisch angelegt. Der O.T.O grenzt sich selbst von satanistischen oder anti-christlichen Zielen ab, es besteht kein Zusammenhang zwischen O.T.O und Wicca. Heute wird auch deutlich gesagt, dass man sich zwar aus der Freimaurerei entwickelt hat, sich aber getrennt davon weiterentwickelte. Im Sinne von Crowleys Verständnis praktiziert man im O.T.O schwarze Magie, man grenzt sich aber von Hexerei oder Teufelsanbetung ab.

Stark betont wird die Lehre nach Thelema. Dies ist ein religiös-magisch-philosophisches System nach Crowley. Hauptinhalt sind die (gerne mehrfach gedeuteten) Sätze 'Tue was du willst, soll sein das Ganze des Gesetzes' und 'Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen'. Das Gesetz von Thelema liegt dabei im 'Liber al vel Legis', mit dessen Inhalt man sich als O.T.O Mitglied und Thelemit identifizieren sollte. Ebenfalls wichtig ist in dem Zusammenhang der Ritus Liber XV - Die Gnostische Messe. Sie spielt im Rahmen der gnostisch katholischen Kirche und damit verbunden im O.T.O eine wesentliche Rolle.

Riten und Grade des O.T.O

Auch wenn sich der O.T.O heute nicht mehr als klassischer Geheimbund sieht, so hält man doch an einigen geheimen Dingen fest. Z. B. werden die Namen der Mitglieder nicht veröffentlicht. Auch die Einweihungsriten werden in der Regel nicht offen gemacht.

Der O.T.O unterteilt seine Grade in drei Stufen: den Einsiedler, den Liebenden und den Menschen der Erde. Der Grad 0 ist der Einweihungsgrad (Minerval-Grad). Ordentliches Mitglied wird man mit dem ersten Grad. Durch die Jahre kann man sich dann über die Grade 2 bis 4 zum Pi-Grad initiieren lassen. Der Pi-Grad bedeutet höchste Vollkommenheit. Über den Pi-Grad hinaus wird man nur noch durch spezielle Einladung initiiert.

Die Grade in der Übersicht:

Triade des Menschen der Erde:
  • Grad 0 - Minerval
  • Grad 1 - Mann und Bruder/Frau und Schwester
  • Grad 2 - Magier
  • Grad 3 - Meister Magier
  • Grad 4 - Vollkommener Magier
Triade der Liebenden:
  • Grad 5 - Souveräner Prinz Rose-Croix und Ritter vom Pelikan und Adler. Ritter vom roten Adler und Mitglied des Senats der Ritter der hermetischen Philosophie
  • Grad 6 - Erhabener Ritter (Templer) des Ordens von Kadosch, und Kompanion des Heiligen Grals. Groß Inquisitor Kommandant und Mitglied des Groß Tribunals
  • Grad 7 - Sehr erhabener souveräner General Gross Inspektor. Mitglied des höchsten Rates
Triade des Einsiedlers:
  • Grad 8 - Perfekter Oberpriester der Illuminaten. Epopt der Illuminaten
  • Grad 9 - Initiierter des Gnostischen Sanktuariums
  • Grad 10 - Rex Summus Sanctissimus (Höchster und Heiligster König)

(Copyright: Esoteric-House, 2006)


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