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Religion - Teil 2 -
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Eine große Bedeutung hat das Zusammenspiel von Staat und Kirche. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob eine Religion einfach nur Religion ist, oder ob sie eine staatliche Religion ist. Wenn es eine staatliche Religion gibt, so liegt der Verdacht nahe, dass man jedem Bürger diese Religion verordnen will. Ein anderes extremes Beispiel wäre das Verbot von Religionen, was es durchaus gibt bzw. gab. Hier dürfte keiner einer Religion nachgehen (zumindest nicht offen). Früher waren Staat und Kirche oft als untrennbares Ganzes zu sehen. Dies hat sich wesentlich geändert. Heute kennt man in der Regel die Trennung von Staat und Kirche - dies wird als Säkularisierung bezeichnet. Diese Säkularisierung hat natürlich zu einer Schwächung der Macht für viele Religionen bzw. Kirchen geführt. Allerdings ist es auch wichtig, ob eine Religion von einem Staat überhaupt als Institution anerkannt wird. Wird sie anerkannt, so bedeutet das auch heute noch in vielen Staaten, dass diese Religion dann gewisse Privilegien erhält. Eine Problematik bringt eine Religion (nach Meinung des Verfassers) immer dann mit sich, wenn es sich um eine stark dogmatische Religion handelt. Denn dann steht oft auch immer ein gewisser Machtanspruch hinter der Religion. Dann gilt in der Regel nur die Meinung dieser einen Religion. Andere Meinungen haben daneben kaum einen Platz. Dies führte und führt, so hat es Rousseau schon im 18. Jahrhundert erkannt, zu Machtmissbrauch und Kriegen. Viele Kriege bis in die Neuzeit dürften immer auch gewisse religiöse Hintergründe haben. Interessant in dem Zusammenhang finde ich den Ansatz von Kant. Der plädierte für eine Vernunftreligion. Kant selbst glaubte wohl an Gott und an eine unsterbliche Seele. Aber er bemerkte auch, dass dies Dinge zumindest nicht beweisbar sind und somit zu diskutieren sind. Der gute Wille ist lt. Kant jenseits göttlicher Gesetze die treibende Kraft, die dann im bekannten kategorischen Imperativ mündet: "handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte". Sehr konkret nahm sich Karl Marx der Religion an. Er nannte Religion das "Opium des Volkes" und fordert die Aufhebung der Religion, da sie dem Volk ein illusorisches Glück vormacht. Weniger radikal war übrigens Nietzsche, der zwar den gerne genannten Ausspruch "Gott ist Tot" schuf. Allerdings meinte Nietzsche das in einer anderen Form - ganz anders. Denn Nietzsche machte die Wissenschaften und die damit oft einher gehende Kritik an den Religionen verantwortlich für den Verfall der Moral. Dadurch hätten wir alle, sinnbildlich, Gott getötet. Insgesamt versuchte und versucht man, Religion etwa auf philosophischer, psychologischer, soziologischer oder auch wissenschaftlicher Basis zu erforschen und zu erklären. Das kann manchmal wirklich verwirrend sein und hellt viel Dinge nicht wirklich auf. Gibt es einen Gott, mehrere oder keinen Gott?Eine wichtige Frage ist: gibt es Gott, gibt es ihn nicht oder gibt es mehrere Götter? Die Antwort auf diese Frage trennt viele religiöse Richtungen deutlich voneinander. Während die einen nur den einen und wahren Gott kennen, kennen andere gar keinen. In anderen Religionen dagegen geht man von mehreren Göttern aus, die dann auch frei wählbar verehrt werden können. Dies ist einer der elementarsten sachlichen Unterschiede zwischen Religionen. Interessant ist dabei, das viele monotheistische Religionen (also solche, die nur einen Gott kennen), durchaus die Existenz anderer Götter akzeptieren. Es gibt aber dann eben einen, welcher der höchste von allen ist. Polytheisten (also die, die an mehrere Götter glauben), wird das kaum berühren. Auch hier kann es aber zu dem Sonderfall kommen, dass sie zwar mehrere Götter kennen, aber nur einen dieser Götter als höchsten Gott verehren. Eine interessante Sonderform ist der Pantheismus, der sich vor allem in esoterischen Gedankengut oft irgendwie spiegelt. Der Pantheist glaubt an einen Gott, der sozusagen das Universum verkörpert. Er bildet das gesamte Sein, somit ist er Teil des Einzelnen bzw. der Einzelne ist Teil Gottes und des Universums. Eine ganz andere Form sind atheistische Religionen. Oft meint man, Atheismus würde den Glauben an Gott grundsätzlich ausschließen. Das muss aber nicht zwangsläufig so ein. Vielmehr ist das atheistische Denksystem nicht vorrangig auf die Existenz von einem oder mehreren Göttern ausgerichtet. Gott oder die Götter spielen für den Atheisten keine oder eine eher untergeordnete Rolle oder exisitieren eben im Extremfall gar nicht. Häufig wird zum Beispiel der Buddhismus als eine atheistische Religion bezeichnet. Allerdings darf man nicht vergessen, dass einem Buddhisten der Glaube an einen Gott nicht verboten ist. So gesehen kann es durchaus Buddhisten geben, die auch an einen Gott glauben. Religion und SpiritualitätEin Begriff, der ebenfalls in den meisten Religionen zuhause ist, ist der Begriff der Spiritualität. Mit diesem Begriff haben viele Religionen ein Problem, weil er heute oft in eine eher esoterische Richtung gedrängt wird. Allerdings ist bzw. war Spiritualität letztlich immer Bestandteil einer Religion, er muss es eigentlich sogar sein. Denn letztlich heißt der Begriff nicht mehr als geistliches Erleben. Und das ist ja praktisch jeder Religion zu eigen. Ein Problem ist jedoch, das Spiritualität im Widerspruch zur Dogmatik steht. Die Dogmatik steht als eine bestimmte festgelegte Lehre und bildet den Rahmen der Religion. Somit ist wenig Platz für Spiritualität, die letztlich immer etwas frei erlebbares darstellt und nur schlecht mit dogmatischen Regeln vereinbar ist. Riten sind dagegen, in der ein oder anderen Form, wohl in jeder Religion zu finden. Dabei ist ein Ritus einfach nur eine bestimmte Handlung, die für die Religion eine Rolle spielt. Das kann ein Gebet sein oder eine Meditation. Religiöse WertesystemeReligionen haben praktisch immer gewisse Denksysteme bzw. Wertesysteme. Es werden moralische Regeln formuliert, die zu einem System von Wertvorstellungen zusammengeführt werden. Wer danach handelt, handelt ethisch und moralisch korrekt im Sinn der Religion. Oft stellt sich die Frage, wer diese Regeln wann und wieso erlassen hat. Passen sie noch in die jeweilige Zeit und könnte man sie anpassen? Kann man sich jeder Regel unterwerfen oder muss man aus der Religion ausscheiden, wenn man nicht alle Regeln einhalten kann? Oder geht es so einfach, dass man gegen Regeln verstoßen kann, und diese dann in Form von Buße und Beichte sühnen kann?Wertesysteme haben immer etwas problematisches und auch endgültiges. Wer solche Systeme aufstellt und zur Regel erhebt, muss letztlich immer mit dem Vorwurf des Dogmas leben. Interessanterweise gibt es in den meisten Religionen immer Platz für Interpretationen dieser Regeln. Viele der Regeln werden gerne übersehen oder einfach, je nach Situation, anders gedeutet. Eines der besten Beispiel ist das Gesetz der Barmherzigkeit. Dies wird in den meisten Religionen relativ klar formuliert, muss aber nicht zwangsläufig gelebt werden. Auch Tötungen dürften aufgrund dieser Regeln eigentlich nie vorkommen, dennoch kommen sie vor und werden unter gewissen Umständen durchaus geduldet. Zwischen theoretischer Kenntnis und praktischer Umsetzung solcher Regeln besteht oft eine scheinbar unüberbrückbare Kluft, was wiederum die Religion an sich unglaubwürdig machen kann. An den ethischen Grundregeln und deren Einhaltung bzw. Umsetzung scheitert letztlich fast jede Religion. Denn immer wieder werden Verstöße gegen die Regeln geduldet, bisweilen sogar gefördert.Dies ist, nach meiner Ansicht, einer der größten Kritikpunkte an vielen religiösen Systemen. Das erklärt zum Beispiel auch das sehr große Interesse im Westen an einer Religion wie dem Buddhismus, der insgesamt sehr pragmatisch ausgelegt ist und so eine weite Interpretation von Lehrmeinungen zulässt. Bei anderen dogmatischen Religionen ist dieser Interpretationsspielraum eigentlich gar nicht da, wird aber doch in sehr starkem Maß gelebt.
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