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Personen: Sri Aurobindo (Aurobindo Ghose)

Sri Aurobindo ist eine der Lichtgestalten des 20. Jahrhunderts. Durch seine Arbeit hat er dem Yoga zu einer neuen Dimension verholfen. Er hat durch den integralen Yoga einen Weg geschaffen, der Yoga für die westliche Welt ein Stück verständlicher und zugänglicher machte. Seine Auslegung des Yoga war vergleichsweise freundlich für die westliche Welt formuliert - es kommt mehr auf die innere Haltung als auf die Haltung in schwierigen Körperübungen an.

Leben und Wirken

Sri Aurobindos Leben ist für sich alleine schon recht faszinierend. Aurobindo wurde als Aurobindo Ghose am 15.08.1872 in Kalkutta geboren. Sein Vater war Arzt und Anhänger der hinduistischen Bewegung Brahma Samaj, einer indischen Reformbewegung. Aurobindos Mutter war schwer krank und soll ab 1880 in einer Art geistigen Umnachtung gelegen haben. Auf Grund der Krankheit der Mutter kamen Aurobindo und seine zwei Brüder früh in Internate, anfangs in einen Convent, später in englischen Privatschulen. Man muss berücksichtigen, dass England zu dieser Zeit Kolonialmacht in Indien war. Aurobindos Vater war, wie viele Inder aus höheren Kreisen, sehr positiv zu England eingestellt. Dies führte so weit, dass Aurobindo und seine Brüder keinerlei Kontakt zu indischen Altersgenossen pflegen durften. Eine Auseinandersetzung mit der indischen Kultur gab es praktisch nicht.

Die Brüder kamen zur schulischen Ausbildung nach England. Ziel war es, die Brüder für eine gehobene Stellung im indischen Verwaltungsdienst auszubilden. Es lief alles ganz gut. Besonders Sri Aurobindo fiel durch außergewöhnliche Fähigkeiten und eine ungewöhnliche Intelligenz auf. Auf sprachlichem Gebiet galt er schon fast als Genie. Sein Verständnis für schwerste Schriften war schon früh sehr tief.

Kurz vor seiner Reifeprüfung passierte jedoch etwas Besonderes. In einer Art meditativem Zustand erfuhr Aurobindo eine tiefe Erfahrung, die mit seinem Heimatland zu tun hatte. So entschied er sich gegen die vorgegebene Karriere und begab sich 1893 nach Indien. Es scheint aber auch so zu sein, dass Aurobindo zwar von der westlichen Kultur durchaus angeregt wurde, mit der westlichen Einstellung jedoch wenig zu tun hatte. Auch war er wohl in einer indischen Studentenvereinigung aktiv und hielt durchaus revolutionäre Reden, was ohnehin zu einer Disqualifizierung für den indischen Staatsdienst gesorgt hatte. Nach seine Ankunft bekam er aufgrund einer Empfehlung trotzdem die Chance im Verwaltungsdienst von Baroda zu arbeiten. Bald bat er jedoch darum, als Lehrer an ein College aufgenommen zu werden. Dort brachte er es zum Vize Principal. Während der Zeit in Baroda befasste er sich stark mit seiner, der indischen Kultur. Aurobindo heiratete schon 1901 die erst 14-jährige Mrinalini Bose, die aber bereits im Jahr 1918 starb. Ohnehin schien die Ehe nicht die Erfüllung für beide zu sein, denn Mrinalini glich nicht dem Bild der Shakti, die Aurobindo vorschwebte. Dieses Ebenbild sollte später eine andere Frau einnehmen, die man 'die Mutter' nannte.

Je mehr sich Sri Aurobindo mit seiner Kultur befasste, umso mehr schien sich Aurobindo mit der politischen Lage zu befassen. Er setzte sich mehr und mehr für die indische Unabhängigkeit ein und wurde zum Herausgeber des sehr wichtigen Revolutionsblattes Bande Mataram. Damit stieg er voll in den Unabhängigkeitskampf ein und wurde zu einer wichtigen Person der Revolution. Interessanterweise verfolgte Aurobindo seine Ziele - im Gegensatz zu Ghandi - eher unpazifistisch. Er schloss Gewalt als letztes Mittel nicht aus. 1908 wurde er verhaftet, was zu einer wichtigen Kehrtwende in seinem Leben führte. Aurobindo war schon vorher immer wieder mit großen spirituellen Erfahrungen in Kontakt gekommen. Er war sehr beeindruckt, als sein schwer erkrankter Bruder von einem Yogi durch Wasser geheilt wurde. Bei einem Lehrer erfuhr sein Mental die ewige Stille, einer der höchsten Erfahrungen im Yoga. Während der Haft schien sich sein Yoga Weg zu vervollkommnen. Als er 1909 entlassen wurde, war er ein fortgeschrittener Yoga Meister.

Um 1910 zog es ihn dann nach Pondicherry. An diesem Ort wirkte er bis zu seinem Tod am 05.12.1950. In Pondicherry baute er einen Ashram auf, der in Spitzenzeiten auf bis zu 800 Personen angewachsen war. Hier gesellte sich auch ab 1920 eine Frau zu ihm, die bis zu seinem Tod seine Weggefährtin blieb. Diese Frau wurde allgemein als 'die Mutter' bezeichnet. Sie hieß bürgerlich Mira Alfassa und soll am 21.02.1878 in Paris geboren sein. 'Die Mutter' stellte für Aurobindo eine Shakti dar, eine Person die seine Frau wohl nie war. 'Die Mutter' führte Aurobindos Werk nach dessen Tod bis 1973 fort. 1951 gründete Mira Alfassa die Internationale Sri Aurobindo Universität in Pondicherry, 1956 den Sri Aurobindo Ashram in Delhi. 1968 begründete 'die Mutter' das Stadtprojekt Auroville als Ausweitung des Sri Aurobindo Ashrams in Pondicherry. Eine universale Stadt wo die Einheit der Menschen realisiert werden sollte. Mit Michel Montecrossa entwickelte sie von 1969 bis 1973 Mirapuri, die Stadt des Friedens und des Zukunftsmenschen in Italien. Mirapuri muss man jedoch deutlich von Auroville oder dem Sir Aurobindo Ashram abgrenzen.

Inhalte der Lehren

Aurobindos Arbeit war durchaus vielfältig. Da war einmal der politische Mensch Sri Aurobindo. Er hatte klare Vorstellungen, die er genauso klar formulierte. So lehnte er die englische Kolonialmacht ab und bekämpfte sie auch in einer harten Gangart. Genauso klar war sein Statement im zweiten Weltkrieg zu Hitler. Hitler symbolisierte für ihn das Böse und musste weggebombt werden.

Ganz anders war seine sonstige Arbeit, die von spirituellen Erlebnissen durchzogen war. Hauptthema seiner Arbeit war zweifellos der integrale Yoga. Der integrale Yoga ist die praktische Anwendung von Aurobindos Philosophie. Ein Yoga, wie gemacht für die westliche Welt. Ohne die Übungsvielfalt und Vorgaben anderer Yoga Formen. Wichtiger ist die völlige Hingabe aller Taten, Worte und Gedanken an den Brahman. Dieser Yoga heißt "integral", weil die traditionellen Disziplinen Jnana Yoga, Karma Yoga und Bhakti Yoga miteinander verknüpft werden. Integral auch deshalb, weil er die Welt nicht ablehnt oder überwinden will (keine Weltflucht), sondern sie mit dem Göttlichen zu durchdringen sucht (Weltumwanderung). Dazu müssen alle Wesensteile des Menschen umgewandelt und dem Göttlichen dargebracht werden. Gurus oder Yogis spielen eine untergeordnete Rolle, der Lehrer ist ein 'Kind unter Kindern'.

Ein weiterer wesentlicher Teil seines Werkes ist das sogenannte Supramental. Es ist der Bereich zwischen der höheren Mental Sat (Sein), Chit (Bewusstsein), Ananda (Seligkeit) und der niederen Mental (Geist), Vital (Leben, Emotionen) und Physis (Körper). Im Supramental finden sich alle Gegensätze und ein inneres Wissen um alle Dinge. Unterhalb des Supramentals liegen verschiedene Bewusstseinsebenen: das normale Mental, das höhere Mental, das erleuchtete Mental, das intuitive Mental, der Übergeist und das Supramental selbst.

Das Herabkommen des Supramentals hatte nach Aurobindos Vorstellung eine Transformation der Zellen zur Folge.


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