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Wicca

Wicca ist eine neuheidnische Religion. In den USA ist Wicca eine anerkannte Religion, in Deutschland war der Begriff Wicca einige Zeit geschützt. Man könnte auch sagen, dass Wicca eine Naturreligion ist, denn Wicca sehen das Heilige in der Natur. Einige Quellen stellen den Begriff Religion wiederum in Frage, da nach ihrer Ansicht typische Merkmale wie eindeutige und übereinstimmende Glaubensbekenntnisse und auch typische religiöse Versammlungsorte wie z. B. Kirchen fehlen. Wicca praktizieren ihre Rituale nicht unbedingt an einem festen Ort.

Enstehung und Aufbau von Wicca

Wicca wurde gemäß verschiedenen Quellen von dem Engländer G. B. Gardner gegründet. Eine frühe Mitstreiterin war Doreen Valiente. Diesen traditionellen Wicca Strang nennt man "Gardnerian". Einen weiteren Strang bildeten Alex Sanders und Maxine. Diesen Strang nennt man "Alexandrian". Wicca werden in der Regel die sogenannten traditionellen Wicca Stränge genannt. Sie sind in Covens organisiert. Eine Sonderform sind die Solitaires, die frei agieren und meist keinem Coven angeschlossen sind (allerdings gibt es auch Solitaires, die Covens angeschlossen sind). Ein Coven ist, wenn man so will, die kleinste Einheit der Wicca. Frei übersetzt kann man den Coven als einen "Hexenzirkel" bezeichnen. Ein Coven besteht dabei in der Regel aus einem Hohepriester, einer Hohepriesterin und einer so genannten Jungfrau. Dazu kommen dann in der Regel bis zu 10 weitere Mitglieder, im optimalen Fall in einem gleichen Verhältnis Mann und Frau. Ein Coven mit mehr als 13 Mitgliedern wird meistens als zu groß erachtet. Wird ein Coven zu groß, gründen sinvollerweise 2 Mitglieder des Covens (ein Mann und eine Frau) einen neuen Coven. Dieser soll möglichst mindestens 10 km entfernt vom Original Coven angesiedelt sein. Eine interessante Maßnahme, denn die Wicca wollen so der Entstehung einer organisierte Religion entgegen wirken. Die Covens versuchen sich auch inhaltlich bewusst voneinander abzuheben.

Bekannte Wicca Linien

Man unterscheidet heute einige verschiedene Wicca Linien, die bekanntesten sind:

  • Alexandrian Wicca
  • Gardnerian Wicca
  • Celtic Wicca
  • Dianic Wicca
  • Eclectic Wicca
  • Fairy Wicca
  • Heredetary Wicca
  • Seax Wicca
  • Solitary Wicca
  • Wiccan Shamanism

Aufnahme in einen Coven

Die Aufnahme in einen Coven kann im Normalfall erst nach einer Probezeit von 1 Jahr und einem Tag erfolgen. Dann wird man initiiert (eingeweiht). Nach der Initiation ist man Priester. Andere initiieren darf man erst, nachdem man zum zweiten Mal initiiert wurde. Unabhängig wird man, wenn man zum dritten Mal initiiert wurde. Das heißt, man kann nach der dritten Initiation seinen eigenen Coven gründen. Der initiierte Wicca stützt sich normalerweise auf das Standardwerk der Wicca, das Buch der Schatten, in dem die wichtigen Rituale vermerkt sind. Üblicherweise hält jeder Coven sein eigenes Buch der Schatten vor, das spezielle Erkenntnisse, Rituale und Erfahrungen des Covens enthält. Zudem führen die meisten Wicca Mitglieder in der Regel ihr eigenes Buch der Schatten, in dem dann die ganz individuellen Erkenntnisse eingetragen werden.

Nicht unumstritten ist die so genannte Selbstinitiation. Selbstinitiation heisst, dass man sich selbst einweiht. Manche Wicca Linien erkennen selbstinitiierte Wicca an, während die traditionellen Wicca diese Praxis oft eher kritisch betrachten und teilweise ablehnen. Allerdings beruht die Idee der Covens im Sinn von Wicca auch auf dem Prinzip Freiheit. In der Praxis bedeutet das heute, dass die Gründung, Aufbau und Inhalte eines Covens frei sind. So gibt es Covens, die nur einen Gott kennen. Andere Covens kennen im Sinn der Wicca Tradition mehrere Götter. Es gibt die traditionsgemäß gemischten Covens, genauso gibt es aber auch reine Männer- und Frauencovens.

Inhalte von Wicca

Wicca wird als eine (neu)heidnische Religion beschrieben. Neuere Definitionen bezeichnen Wicca als Neoschamanen, da Magie und Religion nicht getrennt wird. Nach Meinung der Wicca findet man das Heilige in der Natur, wobei besonders Himmel und Erde eine wichtige Rolle spielen. Wicca kennt normalerweise mehrere Götter und grenzt sich so klar von monotheistischen Religionen ab. Wicca bezieht seine Wurzeln auch auf Ideen und Vorstellungen von nicht- bzw vorchristlichen Religionen. Sie sieht sich vor allem als eine frauenfreundliche und naturverbundene Religion. Typisch für Wicca ist, dass es keine einheitlichen Glaubensgrundsätze und Riten gibt. Jeder Coven hat hier seine eigenen Richtlinien. Es gibt eher wenige einheitliche Grundsätze, die sich bei allen Wiccanern finden. Einer der bekanntesten ist dabei "tue was Du willst, solange es keinem andern schadet". Gewisse Parallelen zeigen sich hier übrigens zum bekannten Motto von Aleister Crowley: "Tue was du willst sei das ganze Gesetz. Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen." Die Rituale der Wicca unterscheiden sich auch mehr oder weniger, aber hinsichtlich der Rituale gibt es durchaus Parallelen. Dies dürfte seinen Grund auch in dem Standardwerk für Initationen haben, dem Buch der Schatten. Das traditionelle Buch der Schatten wird von vielen Wiccanern genutzt.

Im Vordergrund bei den Ritualen steht die Verbundenheit mit der Natur und die Selbsterfahrung. Es geht nicht in erster Linie um die Anbetung eines Gottes. Die Rituale drücken sich meistens aus in Singen, Tanzen und Beten. Dabei werden auch Ritualgegenstände genutzt. Typisch ist das Entzünden von Kerzen. Man nutzt Kräuter, das Aroma des Weihrauchs und symbolische Gegenstände bzw. magische Werkzeuge. Gruppenrituale bestärken den Glauben an ihre Gemeinschaft.

Ein Ritual wird idealerweise im Freien abgehalten. Ein Aufbau eines Rituales kann zum Beispiel so aussehen: es wird ein Kreis gezogen (im Uhrzeigersinn), der groß genug ist, alle Mitglieder des Covens aufzunehmen und ihnen genügend Freiheit zu lassen. Im Kreis nach Norden steht ein Altar (frei in der Form wählbar). Im Norden steht eine Schale mit Lehm und z. B. ein Stein. Im Osten brennt Weihrauch, im Süden eine Kerze. Im Westen steht der Kelch und eine Wasserschale. Jeder Teilnehmer hat einen Dolch mit schwarzem Griff dabei. Der Hohepriester hat einen Stab. Die Hohepriesterin hat einen Kelch mit Wasser, Wein oder Met. Auf oder neben dem Altar stehen links und rechts eine Kerze (meistens schwarz und weiß). In der Mitte des Kreises brennt ein Feuer. Das Ziehen des Kreises, die Anrufungen und sonstige Bewegungen geschehen der alten Tradition nach im Uhrzeigersinn. Das heisst dem Lauf der Sonne nach, wenn eine aufbauende Arbeit durchgeführt wird (z.B. bei der Ritualeinleitung); sie erfolgen gegen den Sonnenlauf, wenn eine abbauende Arbeit (Zerstörung, Bann) durchgeführt wird. Die Kleidung spielt mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Manche Covens bestehen auf Nacktheit, was aber je nach Wetter eher unangenehm ist. Die Durchführung des Rituales und die Worte der Anrufungen obliegen jedem Coven selbst. Hier wird es erfahrungsgemäß von Coven zu Coven völlig unterschiedliche Auslegungen geben.

Wichtige magische Werkzeug der Wicca

Die Wicca nutzen bestimmte Werkzeuge für ihre Rituale. Die bekanntesten sind z. B.:

  • Beseom: der Besen
  • Bolline: das weiße Messer (meist zum Schneiden)
  • Athame: das zweischneidige schwarze Messer (zur Lenkung von Energie, selten zum Schneiden)
  • Buch der Schatten (auch Grimoire)
  • Labrys: eine Doppelaxt
  • Pendel: für Weissagungen
  • Pentakel: ein ritueller Gegenstand, auf dem ein Pentagramm (fünfzackiger Stern) abgebildet ist. Das Pentakel besteht meistens aus erdähnlichen Substanzen wie Lehm oder Ton. Die Rolle des Pentakels ist nicht immer ganz klar. Oft wird es gar nicht benutzt.
  • Weihwedel: ein Kräuterbündel o.ä., mit dem man vor oder während eines Rituals Wasser versprengt.
  • Kelch: der Kelch soll im Ritual eine Verbindung zu Gefühlen bzw. zur Intuition herstellen.
  • Kessel: meist eine Art großer Kochtopf, früher oft in Kupfer. Heute häufig aus Eisen. Er steht für Schöpfung, Fruchtbarkeit, Erneuerung, Tod und Wiederkehr
  • Schwert
  • Stab

Wichtige Feiertage der Wicca

Die Wicca haben einige wichtige Feiertage. An diesen Feiertagen trifft man sich und führt bestimmte Rituale durch. Bei genauem Hinsehen wird man erkennen, dass sich einige der Feiertage mit Feiertagen anderer Religionen und Kulturen überschneiden :

  • Imbolc (02. Februar)
  • Ostara, Frühlingsfest, Fest der Frühlings Tag- und Nachtgleiche (21. März)
  • Beltane, Walpurgisnacht (30. April)
  • Litha, Sommersonnenwende (21. Juni)
  • Lammas,Lughnasadh Erntefest (02. August)
  • Mabon, Fest der Herbst Tag- und Nachtgleiche (23. September)
  • Samhain, Halloween (31. Oktober)
  • Jul, Wintersonnenwende (ca. 21. Dezember)

Wicca = Hexerei?

Wiccaner werden oft als Hexen/Hexer bezeichnet. Man kann dies tun, nicht jede Hexe ist aber eine Wicca und nicht jede(r) Wicca sieht sich als Hexe. Wenn man den Begriff Hexe benutzt, sollte man die traditionellen Ansichten am besten außer Acht lassen. Die Begriffsableitung aus dem englischen witch macht zwar Sinn, wenn man den Begriff Hexe aus dem Volksglauben zugrunde legt, dann ist das problematischer. Denn gemäß dieser Deutung ist eine Hexe ein schrecklich aussehendes Wesen das auf einem Besen in der Gegend herumfliegt, Gift und Galle versprüht und nur schlechtes will. Eine gewisse Steigerung erfuhr dieses Negativbild im Mittelalter, wo man im Zuge der Inquistion zur Hexenjagd blies. Das Ergebnis war eine der dunkelsten Seiten der Geschichte - die Hexenverfolgung. Man könnte nun sagen - gut, Deckel drauf auf die Geschichte, vergessen wir das Ganze. Das geht aber kaum. Denn nach wie vor halten sich die traditionellen Ängste vor Hexen in den Köpfen der Menschen, wonach Hexerei Teufelszeug ist.

Geschichtlich interessierte Menschen werden aber schnell zu der Erkenntnis kommen, dass die Hexenverfolgung Unrecht war. Man tötete zigtausende von Menschen unter dem Vorwand, es seien Hexen und Ketzer und sie hätten Unglück und Schlechtes gebracht. Dabei nutzte die Inquisition im Mittelalter den Volksglauben an Dämonen, die eine Bedrohung darstellen. Den Menschen in dieser Zeit ging es sehr schlecht, da suchte man Schuldige. Die Inquisition präsentierte den Menschen die vermeintlich Schuldigen, nämlich Hexen und Ketzer. Diese trugen die Schuld an allem Schlechten, denn sie wollten das Böse. So wurden, je nach Laune der Inquisition, wahlweise den Hexen, den Ketzern, den Juden oder den Mauren die Schuld an einer der schlimmsten Epidemien der Menschheit gegeben - der Pest. Man nutzte das Klima der Angst und des Aberglaubens zu einer maßlosen Welle von Denunziation und Zerstörung. Jeder, der irgendwann zu einem ungünstigen Zeitpunkt falsch mit den Augen zwinkerte war ein möglicher Dämon, ein Ketzer oder eine Hexe. Und wer erst mal in die Mühlen der Inquisition geriet, kam nicht mehr heraus. Der Geist dieser Zeit lebt in den Köpfen vieler Menschen weiter. Daher sind z. B. für katholische Kirche die Wiccaner nicht viel mehr als Teufelsanbeter. Der aufgeklärte Mensch wird dagegen in Wicca und in Hexen nichts weiter sehen, als eine persönliche Glaubensrichtung die im Sinn der individuellen Freiheit nicht automatisch etwas Schlechtes darstellt.

(C)Esoteric-House, 2006.


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